Jesuit – Pater Lassalle – Zen Meditation für Christen – Zazen als moderne «Wolke des Nichtwissens»

Zen Meister Vater Reding spricht über Jesuit Pater Lassalle - Zen Meditation für Christen - Zazen als moderne "Wolke des Nichtwissens"

Manche christlichen Bekenntnisse haben sich bemüht, auf diesem Gebiet etwas zu finden, das dem modernen Menschen angepasst ist. Das geschah und geschieht noch zum Teil mit östlichen, nicht-christlichen Methoden. Wenn man von kirchlicher Seite her in dieser Hinsicht immer noch äusserst zurückhaltend ist. So hat das zum Teil seinen Grund in den trüben Erfahrungen, die man in der Vergangenheit mit den Verwirrungen einer falschen Mystik gemacht hat.

Man muss auch zugeben, dass der zielbewusste Weg in die Meditation, wie wir sie hier verstehen, ein Wagnis ist; denn sie ist ein Sprung ins Unbewusste. Trotzdem muss der Mensch ein Wagnis auf sich nehmen, da die Meditation "nur in diesem Raum gedeihen kann".

Lassalle - Übergang von der gegenständlichen Betrachtung zur übergegenständlichen Meditation

Es kommt hinzu, dass auch das zu lange Verweilen bei der Betrachtung nicht ohne Gefahr ist. Es ist nämlich eine immer wieder durch die Erfahrung bestätigte Tatsache, dass die Betrachtung bei den meisten Menschen auf die Dauer "vertrocknet". Einmal kommt die Zeit, wo die Quellen erschöpft sind. Nichts als ob es jemals am Betrachtungsstoff fehlen könnte - die hl. Schrift allein ist unausschöfplich -, sondern in dem Sinne, dass die Betrachtung uns nicht mehr anregt. Dann aber besteht die Gefahr, dass man die mit so grossem Eifer begonnene Übung der Betrachtung wieder aufgibt, und weder Betrachtung noch Meditation übt.

Online Talk - H.M. Enomiya Lassalle

Zen Meister Vater Reding: H.M. Enomiya Lassalle

Aber es gibt noch ernstere Gefahren, z.B. dass der Mensch sich durch zu anthropomorphe (vermenschlichte) Vorstellungen des Geistigen "Götzen" schafft, die zu einem unüberwindlichen Hindernis für das Vordringen zum Wesen Gottes selbst werden und schliesslich sogar den wahren Glauben in Gefahr bringen.

Diese Gefahr ist für den modernen Menschen besonders gross. Viele Menschen haben ihren Gottesglauben verloren, weil sie mit allzu anthropomorphen Gottes-Vorstellungen aufgewachsen sind und nicht rechtzeitig zu einer mehr geistigen Auffassung von Gott geleitet wurden.

Wer dagegen einmal zu Gottes Wesen vorgedrungen ist - soweit das dem Menschen in diesem Leben möglich ist -, verliert den Glauben zu Gott nicht mehr. Der moderne Mensch hat auch ein ausserordentlich grosses Verlangen nach der Gotteserfahrung.

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Der Wille

Wenn die Tätigkeit des Verstandes mehr zurücktritt, dann überwiegt die des Willens. Das ist jedoch nicht so zu verstehen, dass nun ein starker Einsatz des Willens stattfindet, sondern dass die Betrachtung mehr affektiv wird. Das heisst: Die Betrachtung wird zu einem Gespräch mit Gott, also im eigentlichen Sinn zum Gebet.

(Auszug aus Zen Meditation für Christen, H.M. Enomiya Lassalle)